Aus Sicht eines Historikers ist es wahrscheinlich noch zu früh, die Geschichte von Open Source seriös zu berichten. Und das würde wohl auch den Rahmen eines Blogs etwas sprengen. Deswegen hier der Versuch einer nicht so seriösen Geschichte, die so beginnt…
Es waren einmal zwei Jungen. Sie hießen Bill und Steven. Sie durften im selben Park mit Computern spielen. Das gefiel ihnen beiden sehr gut. Da sie die Software, mit der sie im Park spielten, nicht mitnehmen durften, aber auch gern zuhause spielen wollten, beschlossen sie beide, ihr eigene Software zu bauen.
Bill nannte sein Betriebsystem “Fenster”. Bill wollte, dass seine Software auf allen Computers der Welt lief, doch das Fenster mußte immer geschlossen bleiben. Nur er durfte das Fenster aufmachen und sehen, was dahinter war. Steven fiel kein besserer Name ein und deswegen nannte er sein Betriebssystem einfach “Apfel”. Steven wollte, dass seine Software nur auf den Computern lief, die er mochte und deswegen verkaufte er die Computer gleich mit seiner Software mit. Ähnlich wie Bill wollte auch Steven der Einzige sein, der von seinem Apfel abbeißen durfte.
Dann war da noch ein Junge. Der hieß Richard. Richard hieß auch noch Stallman, war sehr neugierig und wollte mit Bill und Steven gemeinsam spielen. Doch die beiden wollten ihn nicht mitspielen lassen. Bill ließ ihn nicht sein Fenster öffnen und er durfte auch nicht in Stevens Apfel beißen.
Das machte Richard sehr wütend und er beschloss sein eigenes Betriebssystem zu schreiben, damit er mit anderen gemeinsam daran spielen durfte. Er erlaubte allen, dass sie seine Software zu jedem Zweck ausführen, studieren, verändern und weiter verbreiten durften.
Und er freute sich, wenn jemand sie verbesserte und unter den gleichen Bedingungen wieder verbreitete und damit einen Nutzen für die Gemeinschaft erzeugte. Das freute auch einen anderen Jungen, der in Finnland wohnte und es auch satt hatte, alleine spielen zu müssen. Der Junge hieß Linus Torvalds und schrieb zu dem Betriebssystem von Richard einen Kern, der es der Software von Richard nun ermöglichte, auch auf einer ganzen Menge von Computern zu laufen. Bill und Steven freute das gar nicht. Sie bekamen nun Angst, dass nun niemand mehr mit ihnen nach ihren Vorstellungen spielen wollten. Sie schrien laut herum und nannten Richard einen Dämon des Kommunismus. Das war natürlich ziemlicher Blödsinn, denn der Dämon war ja schon das Maskottchen von BSD und das war ein UNIX-System.Richard nannte sein System GNU und wollte damit allen sagen, dass GNU nicht UNIX ist, obwohl es viele dafür halten.
Das GNU gefiel bald auch vielen anderen Jungen und Mädchen auf der ganzen Welt, denn die konnten ja nun gemeinsam miteinander so spielen, wie es ihnen Spaß macht. Und bald kamen sie auch dahinter, dass man spielerisch auch eine ganze Menge Probleme lösen kann. Und wenn wer Probleme lösen kann, dann findet sich meistens auch wer, der dafür gern etwas Geld ausgibt, weil er selber nicht die Zeit und das Wissen hat, alle seine Probleme selbst zu lösen. Das war auch hier so.
Da bekamen Bill und Steven so richtig Angst. Sie setzten sich hin und überlegten, wie sie denn richtig gemeine Spielverderber sein konnten. Bill redete mit den Hardware-Herstellern und versuchten diese dazu zu bringen, Dinge zu bauchen, die nur mit seiner Software liefen. Steven sorgte dafür, dass auf die Computern, wo seine Software lief, die von Richard nicht laufen durfte. Beide wollten ihre Software nicht mit der Software von Richard reden lassen. Wo sie das nicht konnten, da erfanden sie eigene Sprachen, die sonst niemand redet. Sie bildeten sich jedenfalls auf ihre Ideen eine ganze Menge ein und versuchten diese als geistiges Eigentum und mit Softwarepatenten zu schützen.
Das alles hielt aber Richard und die anderen nicht wirklich auf, eine Menge Spaß und Erfolg zu haben. Und weil mit Ihrer Software jede andere Software reden darf, selbst die von Bill und Steven, setzte sie sich sehr rasch im Internet durch. Denn im Internet ist es eben wichtig, dass man miteinander redet und nicht nur für sich bleiben will.
Insbesondere den beiden Jungen Mark Shuttleworth und Jimmy Wales gefiel das extrem gut. Mark gründete eine Organisation, die Ubuntu, was auf Deutsch “Für Menschen”, heißt. Diese baut aus der Vielzahl der Software von Richard und seinen Freunden ein einfach zu bedienendes System, das fast jeder auf seinem Computer installieren kann. Jimmy wollte die Idee, die hinter der Software von Richard stand, dazu verwenden, Wissen jeglicher Art gemeinsam zu schaffen und verfügbar zu machen. Heute nennt sich das Wikipedia.
Was sie sich dabei gedacht haben, wissen nur die beiden. Was ich aber glaube ist, dass beide verstanden haben, dass Richard weniger ein Fan von Karl Marx als vielmehr von Immanuel Kant ist. Und weil es um die Menschen geht, wollte Richard mit seinen vier Freiheiten Antworten auf die vier Fragen von Immanuel geben.
Die GPL sehe ich als Stallmans Anwendung eines positiv formulierten Kathegorischen Imperatives ist. So in der Art: “Was Du willst, dass man Dir tu, das gesteh auch allen anderen zu.”
Open Source und Creative Commons dienen letztlich dem Zwecke der Aufklärung, dem „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit”, wie Kant es sagt. Die Fortsetzung der Aufklärung die Grundlage für eine nachhaltig funktionierende Zivilgesellschaft.