Mar 182010

Die Welt ist auf Koks, ich glaub sie nimmt Drogen
ist volle schräg drauf, nicht mal gelogen
drückt irre auf Gas, überspannt gleich den Bogen
betrügen ist leicht, doch leicht man betrogen.

Die Wahrheit wir lieben, die Freiheit wir ehren
ihr hängt da an Trieben, die lernen erschweren!

So kommt doch mal runter, so werdet doch munter
Das Treiben wird bunter, es kommt da ein Schlund her
der wird uns verschlingen, es kann nicht gelingen
wenn wir nicht bezwingen, den Hang zu so Dingen.

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Posted by grisnoir
Mar 172010

Anfang

Am Anfang beherrschte die Leere das Universum, in dem Nichts war. Die Zeit hatte noch nicht ihren Anfang genommen und das Chaos schlief im Raum, der erst geschaffen werden mußte. Seit Ewigkeiten war alles so und Nichts veränderte sich, doch alle Ewigkeit war wie ein Moment, weil Nichts in ihr war.

Da plötzlich und unerwartet kam vom Ende der Zeit ein Schrei in das Nichts und das Nichts wich erschrocken vor dem Schrei zurück, denn es konnte ihn nicht ersticken. Der Schrei aber war das Leben, das durch die Zeit an seinen Anfang geflohen war, um seiner Vernichtung am allerletzten Tag zu entgehen. Der Schrei war Leben und das Leben besiegte das Nichts. Dort, wo Leben war, wurde die Zeit geschaffen und in der Zeit entstand der Raum. Der Schrei aber war Energie und durchmaß den Raum. Er verdichtete das Chaos zu Materie und gab ihm seine Ordnung. Die Energie formte die Materie zu Galaxien, Sonnen und Planeten.

Am Anfang wütete das Feuer auf allen Himmelskörpern, doch auf jenen, die das Leben auserwählt hatte, wich es bald zurück und aus den Tiefen der Materie stieg Wasser empor.

Das Leben aber ist in allem, und der Schrei hallt als eine Erinnerung durch Raum und Zeit und durchdringt die Träume eines Schlaflosen.

Erinnerung

Kurz nach Beginn der Zeit, als die Welt noch jung war, war die Erde ein düsterer Ort, an dem Zwielicht über das ungeordnete Chaos der ungefesselten Urgewalten herrschte. Sie war bedeckt von einem ungeheuren Meer, das aufgepeitscht vom einem wütenden Wind tosend über die Hemisphäre wogte. Unter dem Meer lag der Planet noch in seinen Geburtswehen und flüssiges Magma rann durch die schmerzhaft-pulsierenden Adern des in seinem Fieberwahn unruhig Träumenden.

Da geschah es, daß die dünne Schale aus festem Gestein tief unter dem eisigen Meer aufbrach. Ein Berg aus brennenden Fels stieß aus der klaffenden Wunde mit ungeheurer Gewalt durch das Wasser an die Luft. In Agonie schrie der verwundete Planet auf, und ein gewaltiges Beben erschütterte ihn in seinen Grundfesten. Wasser und Feuer stürzten sich augenblicklich in einen erbitterten Kampf und versuchten sich gegenseitig zu vernichten. Mit all seiner Macht rannte das Wasser mit seinem Verbündeten, dem Sturm, gegen den Eindringling an und versuchte ihn zu ersticken, doch der Fels drang tief in den Körper des Wassers, und das Feuer tobte und versuchte Wasser und Luft allesamt zu verbrennen, um allein mit dem Fels über die Schöpfung zu herrschen. Es verdampfte die rasende Gischt zu Wasserdampf, der in einer gewaltigen Säule in die Luft stieg und sich in der Atmosphäre verteilte.

Lange dauerte der ungleiche Kampf der Elemente in diesem ersten Krieg, der umso verbissener geführt wurde, weil er schon entschieden war, bevor er begonnen hatte. Indessen rieb sich der Wasserdampf durch die Energie des Feuers in der Luft und aus ihm hervor brach ein gleißender Blitz, der in den Felsen, gerade als er die Wasseroberfläche durchbrochen hatte, einschlug. Den Blitz begleitete ein Donner, dessen Schlag das Zwielicht einen Herzschlag lang in Licht und Schatten spaltete. Licht und Schatten durchdrangen Wasser und Feuer, die Erde und die Luft und erstaunt und erschrocken hielten sie in ihrem Kampf inne.

Denn mit dem Licht kam die Erkenntnis und sie erkannten, daß sie niemals über den anderen siegen konnten, ohne sich selbst zu besiegen, weil sie selbst im jeweils andern lagen und doch getrennt waren. Und mit dem Schatten kam der Schmerz und sie fühlten, daß sie selbst weder mit- noch gegeneinander, sondern nur nebeneinander existieren konnten, ohne die Chance, sich jemals wieder zu vereinen.

So beendeten sie ihren Kampf und begannen nachzudenken. Der Wind legte sich und glättete die Wellen des Wassers, während das Feuer abkühlte und den erstarrten Felsen aus seinem Inneren nur mehr rötlich glühen ließ. Das Wasser aber umspülte nun den Felsen und es

begann sich an ihm zu erwärmen. Der Fels mochte die Berührung des Wassers, dem er seine allzugroße Wärme geben konnte, während es ihn so angenehm kühlte und er fand Gefallen am Wasser, so wie das Wasser Gefallen am Felsen, den es umschließen und umarmen konnte, fand.

Da sagten Wasser und Fels zueinander: „Wenn wir selbst schon nicht zueinanderfinden können, so laßt uns Geschöpfe schaffen, uns ähnlich und doch im Wesen verschieden, die das erreichen können, was wir nicht vermögen.“ So war es gesagt und so war es getan.

Der Wind blies in das Meer und formte ein Wesen aus Gischt und Schaum, das Wasser war, aber sich doch vom Wasser unterschied. Ebenso formte das Feuer ein Stück Fels so, daß es warm und biegsam war, aber das Wasser nicht mehr verdampfte.

Beide Wesen fanden Gefallen aneinander und umarmten sich, und ihre Umarmung war so vollkommen, daß sie miteinander zu verschmelzen begannen, um ihre Einsamkeit zu überwinden. Überall dort, wo sie eins wurden, begannen sie zu strahlen und ein sanftes Licht

strömte aus ihnen heraus und begann in die Welt zu fließen. Das Licht sammelte sich zu einem großen Ball und erhob sich schließlich in den Himmel, um den ganzen Planeten erhellen zu können. Der Planet erwachte aus seinem Fiebertraum und gebar Leben.

Das Licht, das schon an Himmel war, leuchtete auch auf die beiden Wesen, die noch immer Licht hervorbrachten, und das Licht kam in Schwingung und begann zu klingen und aus dem Klang wurde ein Ton, aus dem Ton eine Melodie. Die Melodie hob und senkte sich und brachte sich selbst in immer neuen Variationen hervor. Mächtig floß der Strom an reinen Tönen über die Welt und brachte Freude in sie.

Doch da kam plötzlich ein schrecklicher Mißklang in die vollständige Harmonie, der aus den Teilen der Wesen drang, die sich nicht vereinigen konnten, weil sie zu sehr verschieden waren, weil sie zu sehr Wasser, Feuer, Fels und Luft waren. Der Mißklang brachte die Dunkelheit in die Welt und das Licht floh vor der Dunkelheit, die es nicht durchdringen konnte. Die Dunkelheit war neidisch auf das Licht, weil der Planet kein Leben in ihr hervorbringen wollte und begann dort, wo sie das Licht vertrieben hatte, das Leben zu verderben und zu korrumpieren.

Die Melodie erschrak heftig, als sie den Mißklang in sich spürte und der reinste, vollkommenste Teil von ihr floh vom Planeten hinaus um den Weltraum um nicht Schaden zu erleiden. Der andere Teil von der Melodie aber begann entsetzt mit der Kakophonoie zu kämpfen. Unwiderstehliche Macht wurde aus seiner Lieblichkeit als er sich ihr entgegenstellte. Er begann sich so zu verändern und zu drehen, daß sich seine Töne mit den Mißklängen aufhoben und verschwanden. So wurden die Töne immer weniger und leiser bis sie schließlich beinahe ganz verschwunden waren. Klang und Mißklang hatten gemeinsam den Tod geschaffen.

Da wurden die beiden Wesen sehr traurig, denn sie gaben sich die Schuld, daß die Dunkelheit und der Tod in die Welt gekommen waren. Sie baten Wasser, Feuer, Fels und Luft, ihnen Erde zu machen, in die sich legen konnten. So baten sie und so geschah es.

Feuer und Luft erodierten den Fels und er zerfiel zu Staub, den das Wasser benetzte und zur Erde machte. Tief die Erde hinein nun legten sich die beiden Wesen, die nun eins und doch getrennt waren, und Erde bedeckte ihre Körper.

Lange lagen sie dort und schliefen, warteten, daß die reine Melodie wieder aus den Raum zurückkomme und sie aufwecke. Lange lagen sie, und die Erde formte ihre Körper um, gab ihnen eine neue Gestalt aus Fleisch, Knochen und Blut, in denen der Geist des Wasser, des Feuers, des Felsens und der Luft weiterlebte. Die Erde formte sie zu Mann und Frau und als Mann und Frau erwachten sie als die Melodie endlich zurückkam.

Erwachen

Düsternis herrschte auf dem Planeten, drückende Stille lag bleiern in der schweren Luft und tief schliefen die Wesen, aus denen einst das Licht in die Welt gekommen war.

Da kam von weit draußen im Weltraum ein Komet und brachte einen Hauch der verlorenen Melodie, die einst geflohen war, aus dem Nichts zurück in das Sein. Sie erhellte die traurigen Herzen der Menschen, die noch nicht wußten, daß sie welche waren.

Ein Traum von strahlender Schönheit erfüllte den Raum und brachte ihn zum Klingen. Ein reiner kristallenen Ton drang in die Ohren, die noch nicht gehört hatten und verwundert über das Unerhörte erzitterten. Die tote Materie wurde belebt durch den Ton.

Er brach durch die Luft, zuerst ein kleiner Lufthauch, ein leises Vortasten, ein Flüstern, das sich überrascht über den eigenen unwiderstehlichen Klang zu einer Stimme erhob, die bald wie ein sanfter Wind über die Erde fegte, dem überall wo er auch hinkam, sein eigener Gesang als vorauseilendes Echo entgegenklang.

Da wurde der Wind mutig und besann sich seiner Kraft. Er erhob seine Stimme zum Orkan und Welt fiel zustimmend in den lang ersehnten tobenden Jubel mit ein. Wasser wurde aufgewühlt, spritzte hoch in die Luft, und schwang sich mit jedem einzelnen Tropfen auf die zwingende Melodie ein. Aus den Tiefen des Meeres erschall das dunkle geheimnisvolle Echo zur entfesselt fröhliche Musik der Gischt, tief, geheimnisvoll, endlos traurig und in unendlicher Harmonie.

Ein Tosen ging durch den Planeten, der zu atmen begonnen hatte und sich seiner Kraft bewußt wurde. Harter Fels wandelte sich und begann mit tiefer Baßstimme die Melodie des Windes zu begleiten. Aus den Tiefen der Erde strebten die Keimlinge des Lebens, angelockt durch die Musik der Entstehung, an die Oberfläche und begannen im Wind zu tanzen und die Luft zu beleben.

Neue Töne formten sich aus dem neuen Leben und breiteten ungeduldig ihre kraftvoll zerbrechlichen Schwingen aus, um sich auf den Flügeln des Gesanges durch die Luft tragen zu lassen, hoch hinauf, kühn der Sonne entgegen.

Die Menschen hoben erstaunt ihre Blicke von der Erde und begannen mit ihren Gedanken zu fühlen und mit ihren Gefühlen zu denken. Zum ersten Mal seit unendlichen Zeiten wurden sie sich ihres Lebens und seiner Bedeutung bewußt.

Über ein Menschenpaar jedoch, dem ersten, Mann und Frau, ging der Orkan hinweg, seine Urgewalt konnte nicht ihren tiefen Schlaf brechen, nichts an ihm war so zwingend wie das, auf das sie zu warten bestimmt waren. Die übrigen Menschen betrachten die beiden verwundert und fragten sich ängstlich, ob sie wohl tot seien, weil sie noch immer nicht aufgewacht waren, doch scheu wagten sie nicht, die beiden zu berühren.

Endlich legte sich der Sturm der Stimmen und es folgte eine tiefe Stille. Angsterfüllt fragten die Menschen, ob die Kraft versiegt sei, ob sie nun kaum geboren wieder sterben müßten?

Doch da erhoben sich zwei Töne aus der Stille, der eine tief und mächtig, wie eine Woge des Meeres, der andere hell und klar, fast zerbrechlich, doch so rein und durchdringend wie eine weiße Flamme. Zögerlich kamen sie einander näher, überrascht über die unerwartete Existenz des jeweils anderen und begannen eine völlige neue vielstimmige Melodie zu bilden. Sie umarmten einander, begannen miteinander durch alle Tonarten zu spielen bis sie schließlich ineinander zerflossen, ohne etwas von ihrer besonderen Eigenart aufzugeben. Immer mehr stimmten sie ihren Klang aufeinander ab, stimmten sich selbst aufeinander ein bis sie schließlich ein Ton wurden, eine Stimme, ein Wort, die noch niemals Gehörtes in die Welt sang, schöner und klarer als alles jemals vorher Gehörte. Das Lied der Liebe war geboren.

Da erst erwachten die beiden Menschen und faßten einander bei den Händen, gaben einander durch ihre Berührung ein Versprechen, das niemals mehr gebrochen werden sollte. Sie sahen sich an ein und erkannten einander.

Liebe

Mann und Frau erwachten und hielten sich an der Hand. Sie hielten sich und erkannten einander und daß sie sich liebten. Die Frau umarmte den Mann und der Mann war in der Frau, so wie sie in ihm war und sie waren eins in ihrer Liebe. Sie hatten keine Geheimnisse in ihren Gedanken und Gefühlen sondern benützten sie als ihre erste Sprache, denn jeder war im anderen und sie erspürten einander und waren glücklich. Das Wasser der Frau umspülte vollkommen den Fels des Mannes und er war in ihr geborgen, so wie sie Halt in seinen Armen fand, die ihren Körper fanden und hielten. Sie berührten einander mit den Lippen und ihr Kuß war ein Versprechen, der die Erde um sie herum zum Blühen brachte. So erwachten sie und lange Jahre waren die beiden glücklich. Und dennoch war ihr Glück zu schnell vorüber.

Denn eines Tages vernahm der Mann einen häßlichen Ton, einen der letzten Töne aus dem einstigen großen Mißklang, den die Harmonie nicht gänzlich ausmerzen gekonnt hatte, weil er in den Schatten der Dunkelheit geflohen war, die kein Licht zu durchqueren vermochte. Dort war er lange geblieben. Er war immer dunkler und böser geworden, bis er große Finsternis in sich aufgenommen hatte. Doch nun war er ans Licht gekommen und drang in das Ohr und das Herz des Mannes und das Ohr und das Herz des Mannes, die einst aus Stein gewesen waren, verhärteten sich wieder und wurden abermals zu Stein. Die Liebe floh aus seinem Herzen und sein Ohr hörte nicht mehr die Gefühle und die Gedanken der Frau, die ihn liebte. Er wandte sich ab von ihr und verstieß sie aus seinen Armen.

Seine Gabe, die Gedanken und Gefühle anderer zu erkennen, verwendete er nun, um andere seinen Willen zu unterwerfen. Wenige konnten ihm widerstehen und bald herrschte er als König über ein großes Reich, in dem die Menschen ihm in Angst zu Füßen lagen, denn er bestrafte die hart, die sich ihm zu widersetzen wagten.

Die Frau jedoch liebte ihn immer noch und konnte nicht aufhören ihn zu lieben. Schmerz zerriß ihr das Herz und sie empfand tiefes Mitleid für den Mann, denn ihre Gedanken und Gefühle waren noch immer in ihm und litten den Schmerz, den sein versteinertes Inneres nicht zu leiden vermochte. Sie weinte bittere Tränen um ihn und bat ihn, sie doch wieder in seine Arme zu nehmen, doch er erkannte sie nicht und stieß sie von sich.

Die Frau aber konnte den Mann noch immer nicht loslassen, denn sie liebte ihn. Sie versuchte ihm, ihre Wärme zu geben, ohne daß er sie wollte, und wollte ihn mit all ihrem Fühlen heilen. Doch zu groß war seine Kälte, so groß, daß sie auf den Pfaden, auf denen die Frau vergeblich Wärme gegeben hatte, in ihren eigenen Körper hinüberzuwandern begann. Da wurde die Frau sehr krank und Fieber und Kälte beherrschten ihren wunderschönen Körper, der seine Blüten verloren hatte.

In ihrem Fieber durchquerte sie die Dunkelheit, um den Ton zu suchen, der ihr den Mann genommen hatte, und ihre Trauer verlieh ihr solche Kraft, daß selbst die Dunkelheit vor ihr floh und ihr nichts anhaben konnte. Den Ton fand sie jedoch nicht, denn er war im Mann, und im Mann war solche Finsternis, daß ihre Kraft nicht ausreichte, sie zu vertreiben. Das Fieber verging, doch es brachte ihr die Liebe nicht zurück, die sie für den Mann empfand. In ihr blieb eine abgrundtiefe Leere und in der Leere war Verzweiflung.

In ihrem Schmerz und ihrer Verzweiflung war sie lange allein, doch sie war eine Frau und nicht zum Alleinsein, das sie lebend zerstörte, geschaffen. Um ihre Einsamkeit erträglicher zu machen, nahm sie einen anderen Mann, einen der späteren Menschen, und gebar ihm ein Kind. Liebe jedoch konnte sie ihm keine geben, denn die war nicht in ihr, sondern noch immer im Mann, und so wie sie keine Liebe geben konnte, wurde auch sie nicht geliebt. Als die Frau dies sah, gab sie all ihre Zuneigung, die sie empfinden konnte, ihren Kind und im dem Maß, als das Kind ihre Zuwendung nahm und erwiderte, spürte die Frau, daß einige ihrer tiefen Wunden langsam zu heilen begannen. Vielleicht, so hoffte sie, würde dem Kind die Fähigkeit zu lieben, die ihr verwehrt blieb, erwachsen.

Als der Mann jedoch vernahm, daß die Frau einen anderen Mann genommen und ein Kind geboren hatte, spürte er, der schon lange nicht mehr lieben konnte, rasende Eifersucht in seinem steinernen Herzen. In der Finsternis seiner Einsamkeit, verfluchte er die Frau, die er verstoßen hatte und überzeugte sich und die Menschen, daß sie ihn verlassen hätte. Er nahm ein Schwert und machte sich auf, um die Frau zu suchen.

Bald schon hatte er sie gefunden, denn sie verbarg sich nicht und traurig blickte sie in seine harten Augen. In dem Schmerz ihres Blickes erkannte der Mann seine Schuld, doch der Stein seines Herzens verwandelte sie in rasende Wut. Als er sah, daß er keine Macht über die Frau hatte, nahm er mit Gewalt, was sie ihm so gerne gegeben hätte.

Er vergewaltigte die Frau und der Blick der Frau wurde noch trauriger und schmerzerfüllter. Die Gewalt jedoch, die er ihr getan hatte, richtete sich gegen den Mann selbst und schuf in ihm eine große Leere.

Da geriet der Mann außer sich und tötete zuerst das Kind und dann die Frau. Blut klebte an seinen Händen und das Blut der Erschlagenen schrie seine Schuld in den Himmel. Der Mann blickte auf seine Hände. Er sah das Blut und er erst jetzt begriff er, was er getan hatte. Er preßte seine Hände auf sein Herz, denn er litt plötzlich furchtbare Schmerzen, die ihn durchdrangen und beinahe zerrissen. Doch als das Blut der Frau den Stein seines Herzens benetzte, geschah das Wunder: der Stein wurde weich und Leben kehrte in ihn zurück.

Der Mißklang fühlte die Liebe der Frau, die im Tod Leben gab, und seiner Macht beraubt floh aus dem Kopf und dem Herzen, die er in Besitz genommen hatte. Schmerz, größer als sein Verstand ihn erfassen konnte und unsagbare Reue schlugen auf den Mann ein, kehrten sein Innerstes nach außen. Mit dem Schmerz kehrte auch seine Liebe zur Frau zurück und laut schrie er auf in seiner quälenden Ohnmacht. Die Menschen, die ihn hörten, flohen vor ihm, denn sein Schrei ging über das hinaus, was sie ertragen konnten.

Gepeinigt warf er sich auf die Erde, um in ihr zu versinken, doch die Erde wollte ihn nicht aufnehmen. Verzweifelt versuchte er sich ins Wasser stürzen, doch das Wasser wich vor ihm zurück. Da stieg er auf einen Felsen, um sich in den Abgrund zu stürzen, doch der Fels hielt ihn zurück und warf ihn zu Boden. Auch das Feuer, seine letzte Zuflucht, erlosch, als er sich verbrennen wollte.

Da erst verstand er endlich und brach auf, um die Frau, die er getötet hatte, zu suchen und wiederzufinden. Denn dies wußte er: nichts ist endgültig, auch nicht der Tod.

Lange und weit reiste er und vielleicht dauert seine Suche immer noch an. Bis zum Ende seiner großen Suche sollte er keine andere Frau mehr lieben können, noch von einer geliebt werden, doch dies wußte er noch nicht. Seltsam und dunkel sind die Geschichten, die er erlebte, doch die sind woanders erzählt.

Was jedoch die Frau all die Zeit erlebte, das kann sie nur selbst erzählen und ich hoffe, daß sie dies eines Tages tun wird.

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Posted by grisnoir
Mar 172010

Ich sah den Olymp; er war tot, verwüstet und verlassen.

Zaradustra ward in die Welt gezogen, um den Menschen die grausame Wahrheit zu lehren: „Gott ist tot, Gott ist tot!“ schrie es in ihm und so wollte es aus ihm schreien, doch zum Schweigen war der verdammt, der wußte. Die, die das bleiben wollten, was sie nicht waren, Menschen, klammerten sich an das Leben, das sie nicht hatten, und verlachten den, der ihnen das Wort brachte, das nicht mehr Fleisch werden konnte.

Er aber selbst, der Übermensch, wollte Mensch werden, weil sogar der Übermensch Einsamkeit nicht ertragen kann, doch er scheiterte so wie er scheitern mußte, weil er unter all den Menschen keinen Mensch finden konnte. Er lebte unter Menschen, unfähig einer zu werden, sein Ego zu ändern, einen Teil seines Ichs hinter sich zu lassen, um zu gewinnen, was auf ewig verloren scheint und doch immer in ihm ist.

Wer Gott tötet, wird selbst ein Gott, der nicht mehr Mensch werden kann, da er keinen Sohn hat. Dies ist der Preis, den der Übermensch zu zahlen hat und Gott, der tot ist, schreit trumphierend: „Der Übermensch ist tot, der Übermensch ist tot! Er hat mich nicht lange überlebt, er ist an dem unüberwindbaren Menschen im Übermenschen gestorben!“

Letztlich hat der Mensch gesiegt, doch auch er hat keine Freude an seinem Sieg, muß er nun doch endlos nach sich selbst suchen, wissend, daß er sich nicht mehr finden wird, weil die universale Kette gerissen ist. Er ist herausgefallen, ist ohne Ende, ohne Anfang, verloren in im Strom, den er Zeit nennt.

Der Übermensch und Gott schreien gemeinsam: „Seht, der Mensch ist tot! Er hat uns überwunden, nur um nach uns zu sterben, zu sterben an einen qualvollen Tod, vielleicht schlimmer und grausamer als der unsere! Wir wollen um ihn trauern, denn er kann weder mit uns leben, noch ohne uns.“

Und dann sah ich, daß alle tot waren, gestorben an der Krankheit, die sich Leben nennt, verzweifelt an der Welt, die sie nicht verstehen will und die sie nie verstehen werden können, weil die drei niemals eins sein können. Gespalten sind das Sein und das Universum, niemand kann es in seiner Gesamtheit verstehen.

Alle drei waren sie tot, doch wer waren die Kreaturen, die noch auf dem Platz dahinvegetierten, der einst Erde genannte wurde, und auch Erde war bis Gaia an und mit ihrer Nachgeburt, dem Menschen, starb und Kronos, die Zeit, die Macht übernahm. Sie nannten sich Menschen, doch der Mensch ward tot, so tot wie Gott und der Übermensch. Waren es neue Menschen? Ecce homo novus? Würden auch sie dereinst das Tier besiegen und somit den Übermenschen gebären, nachdem sie sich einen Gott, den sie genausowenig verstehen wie sich und die Welt, geschaffen haben. Würde sich die endlose Spirale des Nihilismus weiterdrehen und den erlösenden Untergang, die letzte Schlacht der Lebenden gegen die Toten, Armageddon, in die Ewigkeit verschieben, oder würden sie bereits vorher an der Annihilation jeglicher Werte, gemordet durch das Leben selbst, das sie lenken sollten, verzweifeln?

Der, der das Leben schuf, schuf es durch seinen Tod, denn so wie das Leben Tod schafft, kann nur der Tod Leben schaffen. Leben und Tod, Gegensätze einer Natur, wie Liebe und Haß, treten auf das Schlachtwelt der Welt und zerstören sich immer wieder gegenseitig, um sich aus sich heraus neu zu schaffen, sich verstärkend und schwächend, endlos drehend im Strudel dessen, was Zeit genannt wird. Gott ist tot, der Übermensch ist tot, der Mensch ist tot, doch die Zeit lebt, falls sie existiert, sie triumphiert als gesichtslose, unpersönliche, letzte Instanz über alles Materielle und Ideelle, das sich ihr bereitwillig unterwirft, damit es nicht allein im Raum stehen muß. Grausam gnadenvoll ist ihre Herrschaft, die sie stets im Verborgenen führt.

Nur der, den es niemals gab, den es nicht gibt, und den es nie geben wird, weil es ihn nicht geben kann, kann sie besiegen. Der, den die Welt vergessen hat, weil er nicht für sie bestimmt war und sie nicht für ihn, hat vielleicht die Macht, Tod zu geben, ohne Leben zu schaffen, den Zyklus der Nihilation zu annihilieren.

Das unausgesprochene Wort ist Fleisch geworden, das Unmögliche, das niemals zuvor gedacht worden war, das kein Plan zum Leben erweckte, ist geschehen. Ich. Nicht zum Übermenschen geworden, nicht Mensch geblieben habe ich Gott verbannt und nicht getötet, kann ich nicht das vollbringen, woran Zaradustra gescheitert ist, kann nicht wieder Mensch werden. So bin ich tot, weil und obwohl ich lebe, und lebe, indem ich tot bin. Und dann sah ich die Wahrheit, die es genausowenig gibt wie mich, die es nur für mich geben kann, weil es mich nicht gibt, und ich taufte sie Wahnsinn. Mensch, wo bist Du, WO?

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Mar 172010

Auf den Dächern einer großen Stadt saßen Tag für Tag eine Taube und eine Krähe.

Die Taube spazierte stolz über die Giebel der Dächer und pflegte mit Hingabe ihr blütenweißes Gefieder in jenen Stunden, die sie nicht mit dem Fressen von Körnern verbrachte, die ihr die Menschen auf ihren Plätzen bereitwillig ausstreuten.

Nicht oft genug konnte sie anderen Tauben gegenüber betonen, wie glücklich sie doch sei, nicht so ein zerzauster, häßlicher nachtschwarzer Vogel wie die Krähe zu sein, die sich jeden Tag in der Morgendämmerung in ihr einsames Versteck verkroch, weil sie die Menschen fürchtete, die sie wegen ihres Aussehens wegjagten, sobald sie ihrer gewahr wurden; wenn sie sie nicht gar mit Steinen bewarfen, weil es ihnen Spaß machte, ein so häßliches Ding zu quälen.

Jene mied die anderen Vögel, ebenso wie sie von ihnen gemieden wurde, denn sie war anders.

Doch, wenn sie auch manchmal die anderen um ihr so viel einfacheres und sorgloseres Leben beneidete, so war wußte sie doch, daß sie Krähe war und Krähe bleiben würde, weil sie das sah, was die anderen übersahen, weil sie eben anders war als die anderen. Und in ihrem Herzen wollte und konnte sie eigentlich auch niemals so sein wie jene.

Eines Tages, die Taube stolzierte wie gewohnt über die Dächer und fraß sich maßlos den Bauch voll, spürte die Krähe mit ihrem feinem Instinkt, daß etwas nicht stimmte mit diesem Tag, an dem die Sonne wie gewöhnlich vom blauen Himmel zu scheinen schien. Unruhig verließ sie ihr Versteck und hielt Ausschau nach der Gefahr, die sie so sehr beunruhigte. Nervös drehte sie ihren Kopf in den Wind und spreizte ihr Gefieder ein klein wenig. Sie horchte. Ein leiser Windhauch sprach zu ihr. Sie war sehr gut im Zuhören.

Die anderen Vögel sahen sie und verspotteten sie ob ihrer Unruhe, denn sie hatten genug zu fressen.

Doch der Stadt nahte ein Sturm, so heftig, wie ihn viele Generationen von Lebewesen nicht mehr erlebt hatten. Die Krähe erzitterte, sie spürte die unbeschreibliche Kraft des Kommenden und streckte ihre Flügel aus. Mit ihrem unheimlichen einsamen Schrei erhob sie sich in die spannungsgeladenen Lüfte, um alle vor dem drohenden Unheil zu waren. Die anderen Vögel jedoch schüttelten nur den Kopf und sprachen zueinander: „Sie ist verrückt geworden. Was macht sie so ein Geschrei? Gibt es denn nicht genug Futter?“

Die Menschen hoben zwar etwas verwundert den Kopf ob der einsamen Krähe am Himmel, die da nicht mehr zum Schreien aufhören wollte, doch auch sie schüttelten nur die Köpfe über das seltsame Verhalten dieses verrückten Geschöpfes. Einige Alte, die sich in ihrer wohlverdienten Mittagsruhe im Park der Stadt gestört fühlten, reckten drohen die Faust in den Himmel und nutzten eifrig zu Gelegenheit, sich über etwas laut zu empören, wo sie keine Konsequenzen fürchten mußten.

Die Krähe jedoch kreiste über der Stadt und schrie immer verzweifelter mit ihrer rauhen Stimme. Schon spürte sie die heranrasende Wucht des Orkans, doch noch immer fanden ihre schrillen Warnschreie kein Gehör. Niemand wollte ihr zuhören.

Da kam der Sturm mit all seiner fürchterlichen Macht herangebraust und wütete schrecklich in der Stadt. Er knickte um, was nicht stark war und fegte ganze Bäume weg wie Strohhalme. Die Dächer riß er von den Häusern und brachte die Wände zum Einstürzen; nichts konnte seiner Urgewalt widerstehen. Viele Menschen, die entsetzt und in Panik durch die Straßen liefen oder sich in die Keller flüchteten verloren ihr Obdach oder ihr Leben. Plötzlich kehrte die Angst vor der unverstandenen Natur, die sie mit all ihren ausgeklügelten Vorsorgemaßnamen und Katastrophenplänen nur eingeschläfert, aber niemals besiegt hatten, in ihre Herzen zurück und sie rangen hilflos ihre Hände. Die Angst aber fesselte ihren Willen, und brach ihren Geist, der ihnen sonst so wunderbar logisch ihre Handlungen diktierte. Verloren standen sie vor den Ruinen all dessen, an das sie so fest geglaubt hatten.

Über aller Verwüstung aber kreiste immer noch die Krähe und schrie hin- und hergeworfen in den Böen verzweifelt und mit letzter Kraft ihre Botschaft an die, die nicht hören wollten.

Mehrere Stunden dauerte die große Verwüstung, bis der Sturm nachließ und langsam zu einem starken Wind abflaute. Die Stadt war ein Trümmerfeld.

Als sich die Menschen viel später aus ihren zerstörten Häusern trauten, um mit den unvermeidlichen Aufräumarbeiten zu beginnen, hockte die Krähe zu Tode erschöpft in einer Hausnische neben der bewußtlosen Taube und konnte sich kaum mehr bewegen. Diese war unvorherbereitet von einer Böe hierher verschlagen worden und hatte so durch Zufall überlebt. Die Menschen jedoch sahen die Krähe, erinnerten sich, daß sie es war, die während des Sturmes kreischend über ihren Köpfen gekreist war. Ihre Hilflosigkeit wandelte sich in Wut, denn sie hatten einen Unschuldigen gefunden, der schwach genug war.

„Unglücksbringerin, du ruchlose, Geschöpf der Nacht, durch dein Geschrei hast du den Sturm über aus heraufbeschworen.“ schrien sie in ihrem blinden Haß.

Sie hoben Steine auf und steinigten die, die sich nicht mehr bewegen konnte.

Als die Krähe tot war, kam auch die Taube wieder zu sich und begann wie gewohnt zu gurren. Die Menschen riefen erfreut ob dieses vertrauten Geräusches: „Seht nur, die Taube mit ihrem schönen weißem Gefieder, sie gurrt so friedlich wie eh und eh. Das Unglück ist vorbei.“

Sie warfen ihr noch mehr Futter zu und schmückten sie mit einem grünen Olivenzweig, als Zeichen für den Frieden, den sie ihnen zurückgebracht hatte.

Nur eine alte Frau mit einem Säugling auf ihrem Arm murmelte ungehört sorgenvoll mit ihren traurigen Augen: „Wehe denen, die ihre Propheten töten.“

Seit jenem Tag bevölkern unzählige glücklich vor sich hingurrende Tauben die asphaltierten Plätze der totgeweiten Stadt und fressen sich um die Wette fett an dem überreichliche Futter, das sie kaum verdaut wieder ausscheiden. Keine Krähe ward mehr gesehen und keine Krähe wird mehr hier sein, wenn der nächste, noch stärkere Sturm über die Köpfe der Tauben und Blinden hereinbricht und die Natur ihr uraltes Recht fordert.

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Mar 172010

Ich schritt durch das Feuer, und frug dumm warum?

Es alles erneuer, doch Feuer blieb stumm.

So frag ich die Sonne, _ wer ich wohl bin.

Woher ich denn komme, wo gehe ich hin?

Fest stand ich auf Erde, und frug dumm warum?

sie wachse und werde, doch Erde blieb stumm.

So frag ich die Sonne, _ wer ich wohl bin.

Woher ich denn komme, wo gehe ich hin?

Ich stürmte die Sphäre, und frug dumm warum?

Sie fülle die Leere, doch Luft, die blieb stumm.

So frag ich die Sonne, _ wer ich wohl bin.

Woher ich denn komme, wo gehe ich hin?

Tief taucht ich durch Meere, und frug dumm warum?

Es Leben gebäre, doch Wasser blieb stumm.

So frag ich die Sonne, _ wer ich wohl bin.

Woher ich denn komme, wo gehe ich hin?

So frag ich die Sonne, _ was ist dein Sinn?

Woher sie denn komme, wo gehe sie hin?

So spricht dann die Sonne, ich bin die ich bin.

Woher ich auch komme, dort gehe ich hin!

Ich bin wie die Sonne, ich bin wie ich bin.

Woher ich auch komme, dort gehe ich hin!

Ich bin wie die Sonne, ich bin da ich bin.

Ich gehe und komme, ich bin der ich bin.

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Mar 172010

In finsteren Gassen und düsteren Pforten
Wo listige Hehler ihr Diebesgut horten.
Verlassen die Ratten freudig den Schatten
Um gemeinsam mit Wanzen, Tango zu tanzen.

Männer der Macht laden ein zum Kongress
Zu feiern die Habgier mit Mammonexzess.
Ein Hauch von Kritik stört lärmend die Stille,
doch wachsende Wirtschaft ist Wählerwille.

Über all dem kreist gierig der grinsende Geier
Ein Kojote sieht hungrig die Reste der Feier.
Denn reichlich gedeckt ist die Feiertagstafel
Mit falschen Versprechen und leerem Geschwafel.

Gefälschte Bilanzen diktieren die Zahlen
Die Wahrheit verkünden für nahende Wahlen.
Waffen sind wichtig, beschützen vor Sorgen
Das Volk soll sich Geld für Aktien borgen.

Privater Konsum heißt die Ausweg-Devise
Werbung kann lösen gewiss jede Krise.
Reichtum und Macht, immer größer das Stück
Der Wille treibt vorwärts, zum Schritt zurück.

Vier Reiter aschfahl frönen faulen Gelüsten
Weltwirtschaft will immer noch wachsen im Rüsten.
Ein Führer wird retten die Nation,
militärische Kraft und Expansion.

So tanzen schon fröhlich die Ratten und Wanzen
Wenn wir uns voll Angst im Bunker verschanzen
Wo zitternd wir harren dem Overkill
Weil Wirtschaft nichts weiter als wachsen will.

19.9.02

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Posted by grisnoir
Mar 172010

Aus Sicht eines Historikers ist es wahrscheinlich noch zu früh, die Geschichte von Open Source seriös zu berichten. Und das würde wohl auch den Rahmen eines Blogs etwas sprengen. Deswegen hier der Versuch einer nicht so seriösen Geschichte, die so beginnt…

Es waren einmal zwei Jungen. Sie hießen Bill und Steven. Sie durften im selben Park mit Computern spielen. Das gefiel ihnen beiden sehr gut. Da sie die Software, mit der sie im Park spielten, nicht mitnehmen durften, aber auch gern zuhause spielen wollten, beschlossen sie beide, ihr eigene Software zu bauen.

Bill nannte sein Betriebsystem “Fenster”. Bill wollte, dass seine Software auf allen Computers der Welt lief, doch das Fenster mußte immer geschlossen bleiben. Nur er durfte das Fenster aufmachen und sehen, was dahinter war. Steven fiel kein besserer Name ein und deswegen nannte er sein Betriebssystem einfach “Apfel”. Steven wollte, dass seine Software nur auf den Computern lief, die er mochte und deswegen verkaufte er die Computer gleich mit seiner Software mit. Ähnlich wie Bill wollte auch Steven der Einzige sein, der von seinem Apfel abbeißen durfte.

Stallman Dann war da noch ein Junge. Der hieß Richard. Richard hieß auch noch Stallman, war sehr neugierig und wollte mit Bill und Steven gemeinsam spielen. Doch die beiden wollten ihn nicht mitspielen lassen. Bill ließ ihn nicht sein Fenster öffnen und er durfte auch nicht in Stevens Apfel beißen.

Das machte Richard sehr wütend und er beschloss sein eigenes Betriebssystem zu schreiben, damit er mit anderen gemeinsam daran spielen durfte. Er erlaubte allen, dass sie seine Software zu jedem Zweck ausführen, studieren, verändern und weiter verbreiten durften.

Torvalds Und er freute sich, wenn jemand sie verbesserte und unter den gleichen Bedingungen wieder verbreitete und damit einen Nutzen für die Gemeinschaft erzeugte. Das freute auch einen anderen Jungen, der in Finnland wohnte und es auch satt hatte, alleine spielen zu müssen. Der Junge hieß Linus Torvalds und schrieb zu dem Betriebssystem von Richard einen Kern, der es der Software von Richard nun ermöglichte, auch auf einer ganzen Menge von Computern zu laufen. Bill und Steven freute das gar nicht. Sie bekamen nun Angst, dass nun niemand mehr mit ihnen nach ihren Vorstellungen spielen wollten. Sie schrien laut herum und nannten Richard einen Dämon des Kommunismus. Das war natürlich ziemlicher Blödsinn, denn der Dämon war ja schon das Maskottchen von BSD und das war ein UNIX-System.Richard nannte sein System GNU und wollte damit allen sagen, dass GNU nicht UNIX ist, obwohl es viele dafür halten.

Gnu Das GNU gefiel bald auch vielen anderen Jungen und Mädchen auf der ganzen Welt, denn die konnten ja nun gemeinsam miteinander so spielen, wie es ihnen Spaß macht. Und bald kamen sie auch dahinter, dass man spielerisch auch eine ganze Menge Probleme lösen kann. Und wenn wer Probleme lösen kann, dann findet sich meistens auch wer, der dafür gern etwas Geld ausgibt, weil er selber nicht die Zeit und das Wissen hat, alle seine Probleme selbst zu lösen. Das war auch hier so.

Da bekamen Bill und Steven so richtig Angst. Sie setzten sich hin und überlegten, wie sie denn richtig gemeine Spielverderber sein konnten. Bill redete mit den Hardware-Herstellern und versuchten diese dazu zu bringen, Dinge zu bauchen, die nur mit seiner Software liefen. Steven sorgte dafür, dass auf die Computern, wo seine Software lief, die von Richard nicht laufen durfte. Beide wollten ihre Software nicht mit der Software von Richard reden lassen. Wo sie das nicht konnten, da erfanden sie eigene Sprachen, die sonst niemand redet. Sie bildeten sich jedenfalls auf ihre Ideen eine ganze Menge ein und versuchten diese als geistiges Eigentum und mit Softwarepatenten zu schützen.

Das alles hielt aber Richard und die anderen nicht wirklich auf, eine Menge Spaß und Erfolg zu haben. Und weil mit Ihrer Software jede andere Software reden darf, selbst die von Bill und Steven, setzte sie sich sehr rasch im Internet durch. Denn im Internet ist es eben wichtig, dass man miteinander redet und nicht nur für sich bleiben will.

Wiki Insbesondere den beiden Jungen Mark Shuttleworth und Jimmy Wales gefiel das extrem gut. Mark gründete eine Organisation, die Ubuntu, was auf Deutsch “Für Menschen”, heißt. Diese baut aus der Vielzahl der Software von Richard und seinen Freunden ein einfach zu bedienendes System, das fast jeder auf seinem Computer installieren kann. Jimmy wollte die Idee, die hinter der Software von Richard stand, dazu verwenden, Wissen jeglicher Art gemeinsam zu schaffen und verfügbar zu machen. Heute nennt sich das Wikipedia.

Kant Was sie sich dabei gedacht haben, wissen nur die beiden. Was ich aber glaube ist, dass beide verstanden haben, dass Richard weniger ein Fan von Karl Marx als vielmehr von Immanuel Kant ist. Und weil es um die Menschen geht, wollte Richard mit seinen vier Freiheiten Antworten auf die vier Fragen von Immanuel geben.

Die GPL sehe ich als Stallmans Anwendung eines positiv formulierten Kathegorischen Imperatives ist. So in der Art: “Was Du willst, dass man Dir tu, das gesteh auch allen anderen zu.”

Open Source und Creative Commons dienen letztlich dem Zwecke der Aufklärung, dem „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit”, wie Kant es sagt. Die Fortsetzung der Aufklärung die Grundlage für eine nachhaltig funktionierende Zivilgesellschaft.

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Posted by grisnoir
Mar 172010

Scientia est Potentia – Wissen ist Macht.

Diese Aussage scheint für eine Vielzahl von Gruppierung eine geradezu magische Anziehung zu haben. Als prominentes Beispiel sei hier das Information Awareness Office genannt, das diesen Wahlspruch in ihrem Logo ausweist: Eine 13-stufige Pyramide, über der das Allsehende Auge die gesamte Erde überwacht…

Gegründet wurde die Organisation auf Initiative von George W. Bush und ursprünglich geleitet von John Poindexter, dem bereits im Zusammenhang mit der Iran-Contra-Affäre Verschwörung, Betrug, Lügen vor einem Ausschuss des US-Kongresses und die Vernichtung von Beweisen vorgeworfen wurden.

Nun ist es ja nicht unbedingt naheliegend, dass gerade George W. Bush seine Macht mit Wissen in Verbindung bringt. Doch Paranoia macht selbst den größten Ignoranten zum (vermeintlichen) Freund des Wissens, wie sich schnell aus der Selbstdarstellung der Organisation ablesen lässt:

„The DARPA Information Awareness Office (IAO) will imagine, develop, apply, integrate, demonstrate and transition information technologies, components and prototype, closed-loop, information systems that will counter asymmetric threats by achieving total information awareness useful for preemption; national security warning; and national security decision making.“

Gegen diesen Auftrag wirkt sogar die hier zu Lande diskutierte Vorratsdatenspeicherung, die an sich schon absurd genug ist, etwas blass.

Nun läßt es sich schwerlich verleugnen, dass Wissen auch Macht bedeuten kann, insbesondere wenn man:

  • Wissen als Ergebnis der Bespitzelung anderer betrachtet und nicht als Einsicht in systemische Zusammhänge.
  • das so gewonnene Wissen einer engen Gruppe von Personen vorbehält, welche sich fast jeglicher demokratisch legitimierten Kontrolle entziehen.
  • diese daraus resultierende Asymmetrie ohne Skrupel für den eigenen Vorteil unter dem Vorwand einer preventiven Verteidigung einsetzt.

Das Konzept ist bedauerlicherweise alt und bis zu einem gewissem Grad auch bewährt, sofern man die bloße Existenz unserer aktuellen Weltordung mit all ihren konvergierenden Krisen schon als Erfolg für diese verbuchen möchte.

Dennoch und auch gerade deshalb sind wir der Meinung, dass sowohl der hier verwendete Wissensbegriff als auch das Konzept der Machtausübung einer gründlichen Revision bedürfen:

Scientia est Responsibilitas – Wissen trägt Verantwortung:

Wissen ohne Einsicht ist Torheit. Macht ohne Verantwortung ist gefährlich und führt unweigerlich zur Tyrannei. Tyrannei führt zu Gewalt. Gewalt führt zu noch mehr Gewalt.

Wir wollen diesen Kreislauf durchbrechen. Nicht durch absolute Kontrolle, sondern durch relative Verantwortung.

Wissen entsteht nicht durch Aneignung (Proprietarisierung), sondern durch Teilen und den freien Austausch von Erfahrungen. Ein Zuwachs von Wissen ohne Zuwachs von Toleranz und Mitgefühl führt zu Hybris.

Verantwortliches Wissen ist die Einsicht in die Konsequenzen der eigenen Handlungen für sich selbst und die Umwelt. Diese Einsicht ist begrenzt durch das Entwicklungsniveau des menschlichen Geistes. Folglich sollte auch jede Form der Machtausübung begrenzt sein durch Aufteilung der Verantwortung auf mehrere Personen. Um die Überforderung des Einzelnen zu vermeiden, muss Wissen so notwenigerweise ein Gemeingut sein, das für alle offen ist, die Verantwortung übernehmen wollen.

Ergo: Die Grenzen meines Wissen sind die Grenzen meiner Verantwortung sind die Grenzen meiner Macht, die ich ausüben will und darf.

Dies ist an sich einfach, so es eine verinnerlichte Geisteshaltung ist. Doch jede Geisteshaltung bedarf einerseits des Geistes und anderseits einer Haltung.

Der ökonomische Geist ohne Haltung führt zu Wirtschaft aus Selbstzweck, getrieben von Machthunger und Gier. Haltung ohne ökonomischen Geist führt zu Ideologie als Selbstzweck, verbohrt und kompromisslos.

Für beides gibt es in der Geschichte genügend Beispiele für grandioses und tragisches Scheitern. Geschichte ist eine Quelle des Wissens über die Fehler von Menschen, aus der es zu lernen gilt.

Wir haben es satt, dass Menschen ohne Geist und Haltung unsere Geschicke bestimmen und von rückgradlosen Opportunisten dabei unterstützt werden.

Unser Wissen trägt Verantwortung. Wir haben die Wahl.

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Posted by grisnoir